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Bild zeigt Daniel Feyler / Geschäftsführer von PKV mit Plan

Daniel Feyler

PKV-Experte

Was passiert, wenn ich als Rentner meine private Krankenversicherung nicht mehr zahlen kann?

zuletzt aktualisiert ・ November 19, 2025

Wenn du als Rentner deine private Krankenversicherung nicht mehr zahlen kannst, hast du mehrere Optionen, um die finanzielle Belastung zu reduzieren oder staatliche Unterstützung zu bekommen.

In Deutschland lässt das System niemanden ohne Krankenversicherungsschutz, aber du musst aktiv werden und die richtigen Schritte einleiten.

Die erste und wichtigste Maßnahme: Interner Tarifwechsel nach § 204 VVG

Bevor du irgendwelche drastischen Schritte einleitest, solltest du einen internen Tarifwechsel bei deinem bestehenden Versicherer prüfen.

Das Versicherungsvertragsgesetz gibt dir nach § 204 VVG das Recht auf einen Tarifwechsel ohne Gesundheitsprüfung und ohne Verlust deiner Altersrückstellungen.

Vorteile:

  • Durchschnittliche Ersparnis liegt bei 43 Prozent
  • Keine neuen Wartezeiten
  • Altersrückstellungen bleiben vollständig erhalten
  • Oft innerhalb weniger Wochen umsetzbar

Ich bin seit über 15 Jahren PKV-Berater und habe bereits über 1.000 Kunden in finanziellen Notlagen beraten. Vor drei Monaten kam eine 72-jährige Rentnerin zu mir, die kurz davor war, ihre PKV zu kündigen. Ihr Beitrag lag bei 840 Euro monatlich, ihre Rente nur bei 1.400 Euro. Nach einem internen Tarifwechsel zahlte sie nur noch 480 Euro.

Mit dem Rentenzuschuss von 120 Euro blieben ihr nur noch 360 Euro Eigenanteil.

Was kann ich als Rentner tun, wenn ich mir die PKV-Beiträge nicht mehr leisten kann?

Option 1: Selbstbeteiligung erhöhen

Erhöhe deine Selbstbeteiligung von zum Beispiel 300 Euro auf 1.000 Euro im Jahr. Das kann deinen monatlichen Beitrag um 20 bis 30 Prozent senken. Bei einem Beitrag von 700 Euro sparst du bis zu 210 Euro monatlich. Rechne aber vorher durch, ob du die 1.000 Euro Selbstbeteiligung im Notfall stemmen kannst.

Option 2: Verzicht auf Wahlleistungen

Verzichte auf Chefarztbehandlung und Einzelzimmer im Krankenhaus. Das kann weitere 50 bis 100 Euro monatlich sparen. Die medizinische Versorgung bleibt gleich gut, du verzichtest nur auf Komfort.

Option 3: Wechsel in den Standardtarif

Voraussetzungen:

  • Vor 2009 versichert
  • Mindestens 10 Jahre in der PKV
  • Mindestens 65 Jahre alt

Vorteile:

  • Höchstbeitrag liegt bei 804,82 Euro für 2025
  • Oft deutlich günstiger durch Anrechnung deiner Altersrückstellungen
  • Durchschnittlich zahlen Versicherte im Standardtarif etwa 500 Euro
  • Leistungen entsprechen dem GKV-Niveau

Option 4: Wechsel in den Basistarif

Der Basistarif steht allen PKV-Versicherten offen, unabhängig vom Alter oder Versicherungsbeginn:

  • Aufnahmepflicht ohne Ablehnung
  • Keine Gesundheitsprüfung
  • Höchstbeitrag liegt bei 942,64 Euro für 2025
  • Bei Hilfebedürftigkeit wird der Beitrag halbiert auf 471,32 Euro

Option 5: Unterstützung durch das Sozialamt

Wenn deine Rente nicht ausreicht, um den Beitrag zu zahlen, kannst du Grundsicherung im Alter beim Sozialamt beantragen.

Voraussetzungen:

  • Dein Gesamtvermögen darf 10.000 Euro nicht übersteigen, plus 10.000 Euro für den Ehepartner
  • Deine Rente plus sonstige Einkünfte liegen unter dem Grundsicherungsniveau von etwa 950 bis 1.100 Euro je nach Region

Leistungen:

  • Das Sozialamt zahlt direkt an deine Versicherung
  • Du musst keinen Eigenanteil leisten
  • Der Beitrag im Basistarif wird automatisch auf 471,32 Euro halbiert

Was du auf keinen Fall tun solltest: Beiträge nicht zahlen

Wenn du deine Beiträge einfach nicht mehr zahlst, rutscht du in den Notlagentarif. Das hat schwerwiegende Folgen:

  • Im Notlagentarif bist du nur noch bei akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen versichert
  • Vorsorgeuntersuchungen, Zahnbehandlungen und chronische Erkrankungen sind nicht abgedeckt
  • Du baust weiter Schulden auf bei deiner Versicherung
  • Der Weg zurück in die normale Versicherung ist sehr teuer

Vor einem Jahr hatte ich einen 68-jährigen Kunden, der zwei Jahre lang seine Beiträge nicht gezahlt hatte. Er hatte 18.000 Euro Schulden aufgebaut. Als er wieder einsteigen wollte, musste er zuerst 9.000 Euro als Ratenzahlung vereinbaren. Die restlichen 9.000 Euro wurden erlassen, aber er hatte zwei Jahre lang keinen vernünftigen Versicherungsschutz.

Wichtig: Der Rentenzuschuss von 8,55 Prozent

Hast du den Rentenzuschuss schon beantragt? Falls nicht, tu das sofort. Du bekommst 8,55 Prozent deiner Bruttorente als Zuschuss zur PKV, maximal aber 50 Prozent deines PKV-Beitrags.

Rente monatlichPKV-BeitragZuschuss 8,55% der Rente50% des BeitragsTatsächlicher ZuschussEigenanteil
1.200 €600 €102,60 €300,00 €102,60 €497,40 €
1.500 €600 €128,25 €300,00 €128,25 €471,75 €
1.800 €600 €153,90 €300,00 €153,90 €446,10 €

Anleitung: So gehst du mit hohen Beiträgen als Rentner um

  • Schritt 1: Kontaktiere sofort deinen Versicherer und erkläre die Situation
  • Schritt 2: Lass dich beraten zu internen Tarifwechsel-Möglichkeiten
  • Schritt 3: Prüfe, ob du die Voraussetzungen für Standard- oder Basistarif erfüllst
  • Schritt 4: Beantrage den Rentenzuschuss mit Formular R0820
  • Schritt 5: Wenn das alles nicht reicht, stelle einen Antrag auf Grundsicherung beim Sozialamt
  • Schritt 6: Wechsle in den Basistarif mit halbiertem Beitrag, wenn du Grundsicherung beziehst

Fazit nach über 1.000 Beratungen: „Du bist nicht alleine – die PKV lässt dich nicht im Stich.“

Die PKV lässt dich nicht im Stich, wenn du richtig handelst. Durch interne Optimierung, Standard- oder Basistarif und staatliche Unterstützung bleibt der Krankenversicherungsschutz erhalten. Wichtig ist, dass du frühzeitig aktiv wirst und nicht wartest, bis die Schulden unüberwindbar werden.