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Bild zeigt Daniel Feyler / Geschäftsführer von PKV mit Plan

Daniel Feyler

PKV-Experte

Kann man mit 70 noch die private Krankenkasse wechseln?

zuletzt aktualisiert ・ November 19, 2025

Ja, ein Wechsel innerhalb der privaten Krankenversicherung ist mit 70 Jahren grundsätzlich möglich, allerdings mit wichtigen Einschränkungen je nach Art des Wechsels.

Ein interner Tarifwechsel beim bestehenden Versicherer ist problemlos möglich, während ein Wechsel zu einem anderen PKV-Anbieter in der Praxis sehr schwierig ist.

Tarifwechsel beim gleichen Versicherer

Ein interner Tarifwechsel beim bestehenden Versicherer ist jederzeit und ohne Altersbegrenzung möglich. Das ist gemäß § 204 Versicherungsvertragsgesetz gesetzlich geregelt und bietet massive Vorteile:

  • Keine erneute Gesundheitsprüfung erforderlich, außer bei Mehrleistungen
  • Keine neuen Wartezeiten
  • Altersrückstellungen bleiben vollständig erhalten
  • Mögliche Beitragsersparnis liegt bei bis zu 50 Prozent

Ich bin seit über 15 Jahren PKV-Berater und habe bereits über 1.000 Kunden zum Thema Tarifwechsel im Alter beraten.

Vor zwei Wochen kam eine 73-jährige Kundin zu mir, die seit 40 Jahren bei der Allianz versichert war. Ihr Beitrag lag bei 820 Euro monatlich. Nach einem internen Tarifwechsel zahlte sie nur noch 520 Euro, ohne einen einzigen Cent ihrer Altersrückstellungen zu verlieren.

Wechsel zu einem anderen Versicherer: Praktisch für Renter nicht empfehlenswert

Ein Wechsel zu einem anderen PKV-Anbieter mit 70 Jahren ist theoretisch möglich, aber in der Praxis sehr schwierig und finanziell unattraktiv.

Das Höchstaufnahmealter der meisten Versicherer liegt zwischen 60 und 70 Jahren. Mit 70 Jahren bist du am oberen Ende oder bereits darüber. Eine erneute vollständige Gesundheitsprüfung ist zwingend erforderlich. Deutliche Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse sind zu erwarten.

Nur ein Teil der Altersrückstellungen kann übertragen werden, der sogenannte Übertragungswert, was zu erheblich höheren Beiträgen führt. Einige wenige Versicherer wie AXA/DBV und Barmenia/Gothaer haben offiziell keine Altersgrenze oder akzeptieren Neueintritte bis 70 Jahre, aber die Aufnahme erfolgt einzelfallabhängig und mit strengen Bedingungen.

Was passiert mit deinen Altersrückstellungen bei einem Versichererwechsel?

Hier wird es richtig teuer. Stell dir vor, du hast über 40 Jahre hinweg 60.000 Euro Altersrückstellungen aufgebaut.

Bei einem Versichererwechsel kannst du nur den Übertragungswert mitnehmen, der sich am Basistarif orientiert. Das könnten nur 35.000 Euro sein. Die restlichen 25.000 Euro sind weg.

Der neue Versicherer muss zwar deinen Übertragungswert anrechnen, aber weil du mit 70 Jahren eintrittst, sind die Beiträge trotzdem viel höher als bei deinem alten Versicherer. Du verlierst also nicht nur Geld, sondern zahlst am Ende noch mehr.

Wechsel in den Standardtarif oder Basistarif

Ab 65 Jahren kannst du ohne Einkommensgrenze in den Standardtarif wechseln, sofern du vor 2009 versichert warst und mindestens 10 Jahre in der PKV bist. Der Wechsel ist auch mit 70 Jahren problemlos möglich. Der Höchstbeitrag liegt bei 804,82 Euro.

Der Basistarif steht allen PKV-Versicherten ohne Altersbegrenzung offen und ist aufnahmepflichtig. Dieser Tarif hat einen Höchstbeitrag von 942,64 Euro und bietet Leistungen vergleichbar mit der GKV.

Meine klare Empfehlung für 70-Jährige: „Geh erst den Weg über einen internen Tarifwechsel.“

  • Prüf zuerst einen internen Tarifwechsel bei deinem bestehenden Versicherer
  • Vergleiche verschiedene Tarife mit unterschiedlichen Selbstbeteiligungen
  • Überlege, ob du auf Wahlleistungen wie Chefarzt und Einzelzimmer verzichten kannst
  • Erst wenn das alles nicht hilft: Wechsel in Standard- oder Basistarif
  • Verzichte komplett auf einen Versichererwechsel

Vor drei Monaten hatte ich einen 71-jährigen Kunden, der unbedingt zur Debeka wechseln wollte, weil sein Nachbar dort angeblich so günstig versichert war. Ich rechnete ihm vor: Bei seinem aktuellen Versicherer zahlte er 720 Euro.

Nach internem Tarifwechsel nur noch 480 Euro. Bei der Debeka hätte er als Neueinsteiger mit 71 Jahren und seinen Vorerkrankungen über 900 Euro gezahlt, plus Leistungsausschlüsse. Er blieb dann doch bei seinem Versicherer.