Du hattest die letzten fünf Jahre eine australische Versicherung, aber die gilt hier nicht. Plötzlich bist du unversichert in einem Land mit strenger Versicherungspflicht. Genau in diesem Moment merkst du, dass du ein Problem hast, das größer ist als erwartet.
Diese Situation erleben tausende Menschen jedes Jahr, wenn sie nach längerem Auslandsaufenthalt nach Deutschland zurückkehren, als Expat hier anfangen oder nach Jahren ohne Versicherung endlich den Schritt ins System wagen.
Das deutsche Krankenversicherungssystem ist komplex. Ohne Vorversicherung fühlst du dich schnell verloren zwischen Fachbegriffen, Wartezeiten und Nachzahlungspflichten, die niemand dir vorher erklärt hat.
Ich zeige dir jetzt genau, wie der Einstieg in die private Krankenversicherung ohne deutsche Vorversicherung funktioniert, welche Wartezeiten auf dich zukommen und mit welchen Nachzahlungen du rechnen musst.
Versicherungspflicht in Deutschland: Ist man in Deutschland versicherungspflichtig?
Ja, du bist in Deutschland versicherungspflichtig. Diese Pflicht gilt ausnahmslos ab dem Moment, in dem du deinen Wohnsitz in Deutschland nimmst oder hier eine Beschäftigung aufnimmst.
Seit 2007 und 2009 hat Deutschland die allgemeine Krankenversicherungspflicht eingeführt.
Das bedeutet ganz konkret: Jeder Einwohner muss krankenversichert sein, entweder in einer gesetzlichen Krankenkasse oder in einer privaten Krankenversicherung. Ausnahmen gibt es praktisch keine, selbst Selbstständige, Freiberufler oder vermögende Personen fallen unter diese Pflicht.
Die entscheidende Frage ist nicht ob du dich versichern musst, sondern in welchem System du landen wirst. Das Gesetz ordnet dich automatisch dem System zu, in dem du zuletzt versichert warst, oder falls du noch nie in Deutschland versichert warst, dem System das deiner beruflichen Situation entspricht.
Du warst früher gesetzlich versichert (GKV)
Wer vor der versicherungslosen Zeit GKV-Mitglied war, wird von Gesetzes wegen wieder Mitglied der gesetzlichen Krankenkasse. Die letzte Krankenkasse muss dich unabhängig von deinem Gesundheitszustand wieder aufnehmen.
Das hast keine freie Wahl und kehrst automatisch ins gesetzliche System zurück, egal ob du das möchtest oder nicht.
Du warst früher privat versichert (PKV)
Wer zuletzt privat versichert war, muss wieder einen Vertrag bei einem privaten Krankenversicherungsunternehmen abschließen.
In der Regel ist die frühere PKV zuständig. Rückkehrer aus dem Ausland haben sogar einen gesetzlichen Anspruch darauf, von ihrem früheren PKV-Unternehmen wieder aufgenommen zu werden, was dir zumindest eine gewisse Planungssicherheit gibt.
Du warst noch nie in Deutschland versichert
Hier wird es interessant, denn jetzt entscheidet dein Beruf über das System. Arbeitnehmer, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind und unterhalb der Jahresverdienstgrenze (JAEG) von etwa 77.400 Euro brutto verdienen, werden pflichtig in der GKV und treten einer gesetzlichen Krankenkasse bei.
Selbstständige oder Freiberufler ohne frühere GKV-Mitgliedschaft müssen sich privat versichern. Auch Personen ohne jeglichen Krankenversicherungsschutz werden dem Bereich der privaten Versicherung zugeordnet.
Die Faustregel lautet: Warst du im Ausland gesetzlich versichert in einer ausländischen Sozialversicherung, kannst du in Deutschland meist wieder der GKV beitreten. Hattest du privaten oder gar keinen Schutz, führt der Weg typischerweise in die PKV, und genau dann wird es kompliziert.
| Vorherige Situation | System in Deutschland | Besonderheit |
|---|---|---|
| Früher GKV-Mitglied | Automatisch wieder GKV | Letzte Krankenkasse muss aufnehmen, keine Gesundheitsprüfung |
| Früher PKV-Mitglied | Wieder PKV | Anspruch auf Wiederaufnahme bei der früheren PKV |
| Nie versichert, Angestellter unter 77.400 € | Pflicht-GKV | Freie Kassenwahl möglich |
| Nie versichert, Selbstständiger | PKV-Pflicht | Keine GKV-Option, Abschluss einer privaten Krankenversicherung notwendig |
| Nie versichert, ohne Beruf | Je nach Vorgeschichte | Individuelle Prüfung durch GKV oder PKV erforderlich |
Nachweispflichten und nahtloser Übergang
Wenn du zwischen GKV und PKV wechselst, gibt es strenge Nachweispflichten, um lückenlosen Schutz sicherzustellen.
Eine private Vollversicherung darfst du nur kündigen, wenn du eine Folgeversicherung nachweist. Beim Wechsel von PKV zu GKV fordert der PKV-Versicherer eine Bescheinigung über die neue GKV-Pflichtversicherung.
Umgekehrt verlangt die GKV beim Austritt den Nachweis über die Anschluss-PKV. Niemand soll unversichert sein, es muss immer ein nahtloser Übergang erfolgen.
Für Ausländer, die erstmals nach Deutschland ziehen, gilt die Versicherungspflicht ab dem Zeitpunkt, an dem sie ihren Wohnsitz hier nehmen oder eine Beschäftigung aufnehmen.
Zur Beantragung eines Aufenthaltstitels müssen Nicht-EU-Bürger bereits einen Krankenversicherungsnachweis vorlegen. Anfangs reicht oft eine Reise- oder Expat-Versicherung, aber auf Dauer musst du eine in Deutschland gültige GKV- oder PKV-Police abschließen.
Seit Einführung der Versicherungspflicht kann niemand in Deutschland mehr einfach rausgeworfen werden und dann ohne Versicherung dastehen. Weder GKV noch PKV dürfen deinen Vertrag wegen Zahlungsschwierigkeiten komplett beenden, stattdessen ruhen die Leistungen im schlimmsten Fall.
Wer jedoch noch gar keinen Vertrag hat, weil er sich nie gekümmert hat, muss diesen Zustand schnellstmöglich beenden. Das Gesetz sieht nämlich vor, dass die Mitgliedschaft rückwirkend beginnt, sobald die Versicherungspflicht greift.
Schau dir mal das folgende Beispiel an: Wenn jemand am 1. April versicherungspflichtig wird durch Zuzug oder Wegfall einer Befreiung und sich erst im Juli meldet, beginnt die GKV-Mitgliedschaft trotzdem rückwirkend zum 1. April. Das hat zur Folge, dass Beiträge für die Zwischenzeit nachgezahlt werden müssen. Genau diese Nachzahlungen werden für viele zur bösen Überraschung.
Aufnahme in die PKV ohne Vorversicherung: Wie geht die PKV vor?
Private Krankenversicherungen behandeln Anträge von Menschen ohne Vorversicherung im Prinzip wie normale Neuverträge, aber mit einigen wichtigen Besonderheiten bei Wartezeiten, Gesundheitsprüfung und eventuellen Nachzahlungen, die du kennen musst.
Gesundheitsprüfung als erste große Hürde
In der PKV erfolgt vor Vertragsabschluss immer eine Risikoprüfung, und der Versicherer fragt nach deinem Gesundheitszustand mittels eines detaillierten Gesundheitsfragebogens im Antrag.
Dort musst du alle Krankheiten, chronischen Beschwerden, Operationen und Behandlungen der letzten Jahre angeben. Die Abfrage erfolgt nach Zeiträumen wie alle Arztbehandlungen der letzten 3 bis 5 Jahre oder bestimmte schwere Krankheiten auch länger.
Du musst den Fragebogen unbedingt wahrheitsgemäß und vollständig ausfüllen, denn verschweigen oder verharmlosen darfst du nichts (vorvertragliche Anzeigepflicht). Der Versicherer kann den Vertrag selbst Jahre später kündigen oder vom Vertrag zurücktreten, wenn sich herausstellt, dass Angaben vorsätzlich oder fahrlässig falsch waren. Im Zweifel solltest du Befunde vom Arzt einholen, um exakte Daten zu haben, denn Ungenauigkeiten können dich später alles kosten.
Auf Basis deiner Gesundheitsangaben beurteilt der Versicherer, wie hoch dein individuelles Krankheitsrisiko ist, denn in der PKV kalkuliert jeder Vertrag individuell.
Faktoren wie Alter und aktueller Gesundheitszustand beeinflussen die Prämie. Da der Versicherer vertraglich garantiert, die vereinbarten Leistungen lebenslang zu erbringen, muss er sorgfältig kalkulieren. Eine schwere Vorerkrankung erhöht statistisch gesehen das Risiko zukünftiger Kosten.
Die Folgen der Risikoprüfung können sehr unterschiedlich ausfallen:
Standardannahme ohne Zuschlag
Du bist gesund oder hast nur geringfügige Risiken: Der Vertrag kommt zum Normaltarif zustande. Das ist der Idealfall, den jeder sich wünscht.
Risikozuschlag
Bestehen Vorerkrankungen, die ein höheres Kostenrisiko erwarten lassen wie Bluthochdruck, frühere Operationen oder chronische Leiden, darf der Versicherer einen Beitragszuschlag verlangen.
| Ausgangssituation / Beispiel | Grundbeitrag (monatlich) | Risikozuschlag | Neuer Beitrag | Monatliche Mehrkosten | Begründung / Beispielhafte Diagnose |
|---|---|---|---|---|---|
| Gesunde versicherte Person | 500 € | 0 % | 500 € | – | Keine Vorerkrankungen |
| Heuschnupfen / leichte Allergie | 500 € | +10 % | 550 € | +50 € | Geringes Risiko, meist befristet |
| Bluthochdruck (gut eingestellt) | 500 € | +20 % | 600 € | +100 € | Chronisch, aber stabil medikamentös behandelt |
| Leichte Schilddrüsenunterfunktion | 500 € | +15 % | 575 € | +75 € | Keine Komplikationen |
| Adipositas (BMI 32) | 500 € | +30 % | 650 € | +150 € | Erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen |
| Asthma bronchiale (mittel) | 500 € | +40 % | 700 € | +200 € | Regelmäßige Medikation, mittleres Risiko |
| Depressive Episode (abgeschlossen) | 500 € | +50 % | 750 € | +250 € | Erhöhtes Rückfallrisiko |
| Kombination mehrerer Vorerkrankungen | 500 € | +75 % | 875 € | +375 € | Mehrere Risikofaktoren, z. B. Bluthochdruck + Adipositas |
Das ist ein prozentualer Aufschlag auf den Beitrag, der das höhere Risiko finanziell abfedert. Ein Beispiel: 20 Prozent Zuschlag wegen Asthma bedeutet, dass du dauerhaft 20 Prozent mehr Beitrag zahlst als gesunde Kunden gleichen Alters.
Über ein Berufsleben gerechnet können das zehntausende Euro sein.
Leistungsausschluss
Für bestimmte Vorerkrankungen kann statt eines Zuschlags ein Ausschluss vereinbart werden. Das bedeutet, dass Kosten aus dieser bestimmten Erkrankung vom Versicherungsschutz ausgenommen werden.
Ein Ausschluss kommt etwa bei klar abgrenzbaren Problemen in Frage wie Ausschluss der Kniegelenke nach schweren Knieverletzungen. Damit umgehst du einen hohen Beitragsaufschlag. Viele Versicherer bieten dies aber nicht standardmäßig an, nur auf Nachfrage.
Ablehnung des Antrags
Ist das Krankheitsrisiko sehr hoch oder der Gesundheitszustand kritisch, kann der Versicherer den Antrag ablehnen. Ablehnungen kommen vor, wenn jemand schwere chronische Krankheiten wie fortgeschrittene Diabetes mit Folgeschäden hat, die absehbar hohe Kosten verursachen würden.
Aus Sicht der Versichertengemeinschaft wäre eine Annahme dann unwirtschaftlich, da sonst alle Versicherten höhere Beiträge zahlen müssten.
Bei Antragstellern ohne Vorversicherung wird die Gesundheitsprüfung in der Regel besonders gründlich ausfallen, denn es liegen keine Vorversicherungszeiten vor, aus denen man etwas ableiten könnte.
Es kann vorkommen, dass der Versicherer bei älteren Antragstellern oder unklaren Angaben einen Arztbericht oder eine medizinische Untersuchung verlangt, und gerade wenn jemand längere Zeit unversichert war, möchte der Versicherer sicher sein, dass nicht unbehandelte Erkrankungen vorliegen.
Wartezeiten (bzw. Karenzzeiten) sind nicht zu unterschätzen
Private Krankenversicherungen kennen vertragliche Wartezeiten, also Zeiträume nach Versicherungsbeginn, in denen noch keine vollen Leistungsansprüche bestehen.
Üblich sind eine allgemeine Wartezeit von 3 Monaten sowie besondere Wartezeiten von 8 Monaten für bestimmte Leistungen, und das bedeutet konkret: In den ersten 3 Monaten werden ambulante und stationäre Behandlungen zwar bereits erstattet, jedoch nicht für bereits vor Vertragsbeginn bestehende Krankheiten.
Entbindungen, Psychotherapien, Zahnbehandlungen und Zahnersatz sowie Kieferorthopädie haben 8 Monate Wartezeit. Wenn du also gleich nach PKV-Beitritt schwanger wirst, übernimmt die PKV die Entbindungskosten erst nach 8 Monaten Vertragslaufzeit. Diese Wartezeiten sind Standard bei fast allen Versicherern.
Du kannst die Wartezeit unter bestimmten Voraussetzungen umgehen. Wenn du unmittelbar vorher mindestens 8 Monate versichert warst, etwa in der GKV oder einer gleichwertigen privaten Versicherung, dann verzichten viele PKVs auf die Wartezeit. Eine lückenlose Vorversicherung wird also angerechnet, aber wer gar keine Vorversicherung hatte oder nur eine einfache Auslandspolice, erfüllt diese Bedingung nicht.
Einige Versicherer bieten an, die Wartezeit durch eine Gesundheitsprüfung oder gegen Aufpreis abzukürzen. Du kannst dich durch ein ärztliches Attest bestätigen lassen, dass keine unbehandelten Erkrankungen vorliegen. Daraufhin kann der Versicherer freiwillig auf Wartezeiten verzichten, aber das ist Ermessenssache.
In der Praxis solltest du darauf vorbereitet sein, dass in den ersten Monaten gewisse Leistungen noch nicht abgedeckt sind, während Notfälle und unvorhersehbare Krankheitsfälle von Anfang an gedeckt sind.
Wie hoch ist die Nachzahlung für die Zeit ohne Krankenversicherung?
Eine spezielle Herausforderung bei fehlender Vorversicherung sind rückwirkende Beiträge, und wer eigentlich versichert sein müsste, es aber noch nicht ist, für den laufen streng genommen Beitragspflichten auf.
Seit 2009 ist festgelegt, dass jemand, der der PKV zuzuordnen ist und längere Zeit unversichert war, Nachzahlungen leisten muss.
Der Gesetzgeber hat hier aber eine soziale Abmilderung vorgesehen:
Für die ersten 6 Monate ohne Versicherung musst du die vollen Monatsbeiträge nachzahlen, aber ab dem 7. Monat der Nichtversicherung reduziert sich die Nachzahlung drastisch. Für jeden weiteren Monat sind nur ein Sechstel des Monatsbeitrags zu zahlen, und diese Regel verhindert unbegrenzte Schulden.
Beispiel: Du warst 12 Monate ohne Krankenversicherung, müsstest also eigentlich 12 Monate Beiträge nachzahlen. Nach der Regel zahlst du für Monat 1 bis 6 je 100 Prozent, das sind 6 Monatsbeiträge. Für Monat 7 bis 12 je 16,7 Prozent, das ist zusammen nochmal 1 Monatsbeitrag. Insgesamt wären es hier 7 Monatsbeiträge für 12 unversicherte Monate.
War jemand 3 Jahre ohne PKV-Schutz, also 36 Monate, müsste er 6 Monate voll plus 30 Monate à ein Sechstel zahlen, das sind 6 plus 5, also insgesamt 11 Monatsprämien. Diese Nachzahlung wird einmalig beim Eintritt in die PKV fällig. Viele Versicherer bieten an, diese Summe in Raten zu begleichen, damit die finanzielle Belastung stemmbar ist.
| Unversicherte Zeit | Nachzahlung (Formel) | Beispiel bei 500 € Monatsbeitrag |
|---|---|---|
| 6 Monate | 6 × 100 % | 3.000 € |
| 12 Monate | 6 × 100 % + 6 × 16,7 % | 3.500 € |
| 24 Monate | 6 × 100 % + 18 × 16,7 % | 4.500 € |
| 36 Monate | 6 × 100 % + 30 × 16,7 % | 5.500 € |
Die PKV darf für die vergangene Zeit zwar Beiträge verlangen, aber keine nachträglichen Leistungskürzungen mehr auferlegen.
Wenn du allerdings in der unversicherten Phase krank warst und Arztkosten selbst bezahlt hast, kannst du diese nicht nachträglich von der PKV zurückfordern, denn du verzichtest auf Erstattung aus der nicht versicherten Zeit, um den ermäßigten Beitrag zahlen zu können.
Unterschiede nach Anbieter und Tarif: Rückkehrer, Expats, Selbstständige
Auf den ersten Blick sind die gesetzlichen Regeln für alle PKV-Anbieter gleich, denn jede private Versicherung muss sich an die Versicherungspflicht halten und Personen aufnehmen, die ins PKV-System gehören und keinen anderen Schutz haben.
Insbesondere müssen alle PKVs den sogenannten Basistarif anbieten, einen Tarif mit gesetzlich festgelegten Leistungen und begrenztem Beitrag, der als Auffanglösung dient.
Basistarif als Sicherheitsnetz für Problemfälle
Der Basistarif ist ein spezieller Tarif, den jede PKV seit 2009 vorhalten muss, und er bietet Leistungen vergleichbar mit der GKV. Der Beitrag darf maximal so viel kosten wie der Höchstbeitrag der GKV. Ab dem 1. Januar 2026 liegt der Basistarif-Beitrag bei ca. 1.000 Euro pro Monat ohne Pflegeversicherung. Im Basistarif gibt es keine Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse.
Auch Vorerkrankungen dürfen den Beitrag nicht erhöhen.
Auch eine Ablehnung ist ausgeschlossen, denn jeder, der keinen anderen Versicherungszugang hat und der PKV zugeordnet ist, kann im Basistarif aufgenommen werden. Klingt ideal, aber die Leistungen im Basistarif sind begrenzt auf GKV-Niveau und der Beitrag ist für junge Gesunde oft höher als ein normaler PKV-Tarif.
Normale PKV-Tarife kalkulieren nämlich nach Alter und Gesundheit, und ein 30-Jähriger zahlt dort vielleicht 400 Euro für Top-Leistungen, während der Basistarif unabhängig vom Alter etwa 808 Euro kostet.
Der Basistarif ist somit vor allem eine Auffanglösung für Fälle, in denen ein Normaltarif nicht erhältlich oder unbezahlbar ist. Ältere Rückkehrer mit schweren Vorerkrankungen, die kein Unternehmen in regulären Tarifen nehmen will, können im Basistarif unterkommen, während für junge, gesunde Rückkehrer oder Expats meist ein Normaltarif attraktiver ist mit besseren Leistungen und oft günstigerem Beitrag.
Unterschiede in der Unternehmenspolitik von Versicherern
Grundsätzlich prüfen alle PKV-Anbieter die Gesundheit und kalkulieren das Risiko ähnlich, doch es gibt Unterschiede in der Unternehmenspolitik, die für dich entscheidend sein können.
Einige Versicherer setzen Altersgrenzen für den Eintritt in bestimmte Tarife, etwa keine Neuaufnahme über 60 Jahre in Billigtarifen, während andere explizit auch um Senioren werben.
Die Risikopolitik unterscheidet sich ebenfalls, denn während alle Unternehmen strenge Maßstäbe anlegen, kann die Bewertung im Detail abweichen. Ein Anbieter A könnte einen Antrag mit Diabetes ablehnen, während Anbieter B denselben Fall mit 50 Prozent Risikozuschlag annimmt. Daher lohnt sich bei Ablehnung oft ein zweiter Versuch bei einer anderen PKV.
Manche Versicherer haben Spezialtarife oder Übergangsangebote, beispielsweise für ausländische Studierende oder Gastwissenschaftler temporäre private Krankenversicherungen, die günstiger sind, aber nur für einen befristeten Zeitraum gelten. Die Betreuung in Fremdsprachen ist für Expats wichtig, die kaum Deutsch sprechen. Einige große PKVs bieten umfangreiche englische Unterlagen und Hotlines an, was die Interaktion erleichtert.
Tarifwahl nach deiner Lebenssituation
Je nach Lebenssituation gibt es Tarife, die besser passen:
Rückkehrer aus dem Ausland
Viele PKVs beraten hier individuell, und falls du vorher eine PKV hattest und keine Anwartschaft geführt hast, kann es sinnvoll sein, beim gleichen Unternehmen anzufragen, ob man dich im alten Tarif oder einem ähnlichen wieder aufnehmen kann.
Einige PKVs zeigen sich kulant, wenn du ein früherer Kunde warst, und vermeiden so neue Wartezeiten. Für Rückkehrer ist oft wichtig, dass auch bekannte Vorerkrankungen mitversichert werden, eventuell per Zuschlag statt Ausschluss, weil man die Versorgung in Deutschland sicherstellen will.
Expats und Neuankömmlinge
Falls du angestellt und über der Jahresarbeitsentgeltgrenze (77.400 Euro jährlich) bist, kannst du dich privat versichern.
Viele junge, karrierebewusste Expats nutzen die PKV wegen der Leistungen, und Tarife gibt es von Basis-Schutz bis Premium. Günstige Einsteigertarife bieten geringere Erstattung für Zahnersatz oder haben Selbstbeteiligungen, während Premiumtarife auch Chefarztbehandlung, Einzelzimmer und Heilpraktiker abdecken.
Selbstständige und Freiberufler
Sie haben die freie Wahl zwischen freiwilliger GKV und PKV, und wenn du ohne Vorversicherung bist, stellst du dir die Frage: PKV oder GKV? Die PKV kann für Gutverdiener günstiger sein und bessere Leistungen bieten, allerdings musst du bedenken, dass es in der PKV keine Familienversicherung gibt.
Deine Kinder oder nicht berufstätige Partner müssten jeweils eigenen Beitrag zahlen. Du trägst den Beitrag allein ohne Arbeitgeberzuschuss, kannst ihn aber steuerlich absetzen.
Studierende und junge Leute
Wenn du als Studierender aus dem Ausland kommst und nicht in die studentische GKV kannst oder willst, etwa weil du über 30 bist oder Promotionsstudent ohne Pflicht, dann ist PKV eine Option.
Viele PKVs haben spezielle Studententarife mit niedrigen Beiträgen bis zum 34. oder 35. Lebensjahr, und diese bieten Grundschutz und erfüllen die Visa-Anforderungen. Nach Ende des Studiums oder beim Erreichen der Altersgrenze muss dann in einen regulären Tarif gewechselt werden.
Welchen Einfluss haben Alter, Gesundheitszustand und Beruf auf den PKV-Einstieg ohne Vorversicherung?
Ob und wie du ohne Vorversicherung in die PKV kommst, hängt stark von Alter, Gesundheitszustand und Beruf ab, und diese Faktoren bestimmen nicht nur, ob du dich privat versichern darfst, sondern auch, welche Bedingungen und Kosten auf dich zukommen.
Das Eintrittsalter entscheidet über deinen Beitrag
Das Eintrittsalter spielt in der PKV eine große Rolle, und je älter du beim Einstieg bist, desto höher ist der Beitrag, weil weniger Jahre verbleiben, um Alterungsrückstellungen anzusparen. Ein 25-Jähriger Neu-PKV-Kunde zahlt deutlich weniger als ein 55-Jähriger mit identischem Tarif und Leistungsumfang.
Außerdem steigt mit dem Alter die Wahrscheinlichkeit von Vorerkrankungen, was zu Risikozuschlägen führen kann.
Junge Einsteiger unter etwa 40 Jahren sind in der Regel noch gesund und ohne chronische Leiden, deshalb ist meist problemlose Aufnahme möglich, und der Beitrag ist vergleichsweise niedrig. Die PKV kann hier oft günstiger sein als die GKV, insbesondere für Gutverdiener ohne Kinder, aber Wartezeiten müssen auch junge Leute ohne Vorversicherung beachten.
Im mittleren Alter zwischen 40 und 55 Jahren können schon einige gesundheitliche Risiken vorhanden sein wie Bluthochdruck oder Rückenprobleme. Die PKV prüft solche gesundheitlichen Risiken sehr genau. Es können moderate Zuschläge anfallen, da die Altersklasse an sich höhere Tarifprämien hat.
Ab 55 Jahren gibt es eine Hürde bezüglich GKV, denn wer bis dahin nicht gesetzlich versichert war, kommt nur in Ausnahmefällen zurück in die GKV. Selbst wenn man angestellt wäre, kann man über 55 praktisch nicht mehr gesetzlich versichert werden, und das heißt, PKV ist dann der einzige Weg für Unversicherte über 55.
Gleichzeitig nimmt nicht jede PKV neue Kunden in diesem Alter auf, vor allem nicht mit Vorerkrankungen, und hier bleibt oft nur der Basistarif mit etwa 800 Euro Beitrag.
Gesundheitszustand als Eintrittskarte oder Hindernis
Der Gesundheitszustand führt zu Risikoprüfung und eventuell Aufschlägen oder Ablehnung, und im Kontext ohne Vorversicherung kann der Gesundheitszustand besonders kritisch sein. Wer aus dem Ausland kommt und dort nicht optimal versorgt wurde, könnte unbehandelte Leiden mitbringen, und solche Situationen machen es schwerer für die PKV, das Risiko einzuschätzen.
Ein guter Gesundheitszustand erleichtert den Eintritt enorm: Ohne Vorerkrankungen erhältst du in aller Regel einen normalen Vertrag zu Standardkonditionen. Sobald relevante Diagnosen vorliegen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Probleme, psychische Erkrankungen oder Krebs in der Vergangenheit, wird es komplexer.
Viele Krankheiten bedeuten nicht automatisch eine Ablehnung, aber zumindest einen Risikozuschlag.
Konkrete Beispiele zur Einordnung: Gut eingestellter Bluthochdruck führt vielleicht zu 20 Prozent Zuschlag, während Diabetes Typ 2 möglicherweise einen Ausschluss diabetischer Folgeerkrankungen oder einen hohen Zuschlag bis 50 Prozent bedeutet.
Depression in Therapie kann zu einem Ausschluss von Psychotherapie oder Ablehnung führen, falls sehr akut. Krebs 5 Jahre überstanden könnte bei Anerkennung als geheilt vielleicht einen Vertrag mit Zuschlag bedeuten. Bei noch laufender Nachsorge droht eher Ablehnung.
Den Versicherer interessiert primär: Wie teuer könnten zukünftige Behandlungen werden? Besteht ein erhöhtes Risiko, das alle anderen Versicherten mittragen müssten?
Daher werden schwere Erkrankungen so gehandhabt, dass entweder finanzieller Ausgleich durch Zuschlag oder Leistungsausschluss erfolgt – oder man nimmt den Kunden gar nicht an, um die Gemeinschaft zu schützen.
Im Basistarif darf nichts ausgeschlossen oder teurer gemacht werden, dort ist der Zustand egal, aber Normaltarife sind hier strenger.
Beruf bestimmt die Systemzugehörigkeit
Dein Beruf hat vor allem Einfluss darauf, ob du dich überhaupt privat versichern darfst oder musst:
- Angestellte können zwischen PKV und GKV entscheiden, wenn ihr Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze von 77.400 Euro Jahreseinkommen liegt. Liegt es darunter, müssen sie in die GKV als Pflichtmitglied. Angestellte PKV-Versicherte bekommen vom Arbeitgeber einen Zuschuss zum Beitrag, etwa hälftig, maximal etwa den halben GKV-Höchstbeitrag, was die Kosten halbiert.
- Selbstständige und Freiberufler sind nicht versicherungspflichtig in der GKV und haben daher freie Wahl, und viele Selbstständige gehen in die PKV, da sie komplett eigenverantwortlich sind. Wenn du vorher keine Versicherung hattest, landest du im PKV-System. Hier trägst du den Beitrag allein ohne Arbeitgeberzuschuss.
- Beamte erhalten Beihilfe vom Staat und ergänzen diese meist mit PKV. Wenn du als Beamter keine Vorversicherung hattest, hast du fast immer Zugang zur PKV – entweder normal oder über die soeben erwähnte Öffnungsaktion. Als Beamter bist du quasi prädestiniert für PKV. Die GKV wäre in dem Fall ungünstig, weil du dort den vollen Beitrag zahlen müsstest ohne Arbeitgeberanteil und Beihilfe.
Studierende bis 30 Jahre oder Ende des 14. Fachsemesters sind in Deutschland versicherungspflichtig in der GKV im Studententarif, können sich aber zu Studienbeginn befreien lassen und sich privat versichern.
Nach Überschreiten der Altersgrenze werden sie freiwillig GKV oder müssen PKV wählen, und ein ausländischer Student ohne Vorversicherung unterliegt diesen Regeln auch.
Mögliche Hürden: Ablehnung, Nachzahlungen und weitere Stolpersteine
Der Weg in die PKV ohne Vorversicherung ist machbar, aber es gibt einige Hürden, die dir begegnen können:
Ablehnung des PKV-Antrags und deine Optionen
Tatsächlich kann es passieren, dass eine PKV deinen Antrag ablehnt. Der häufigste Grund ist eine schwere Vorerkrankung, die das Risiko für den Versicherer untragbar macht. Aber auch mangelnde Bonität kann zur Ablehnung führen.
Die PKV darf Kunden nicht kündigen, wenn sie später Beitragsprobleme haben. Sie würden dann in den Notlagentarif gestuft. Daher schauen manche Unternehmen schon bei Antragstellung auf deine Finanzlage.
Was kannst du bei Ablehnung tun? Zunächst einmal solltest du nicht aufgeben. Du hast mehrere Optionen:
Probiere einen anderen Versicherer
Eine Ablehnung bei PKV X heißt nicht automatisch, dass PKV Y dich auch ablehnt. Die Kriterien sind ähnlich, aber nicht identisch. Vielleicht schätzt ein anderer Versicherer dein Risiko etwas anders ein oder hat mehr Erfahrungen mit bestimmten Krankheiten. Es ist ratsam, beim nächsten Antrag offen zu kommunizieren, dass schon eine Ablehnung erfolgte.
Anträge fragen oft, ob du schon mal abgelehnt wurdest.
Verhandle einen Leistungsausschluss
Falls die Ablehnung wegen einer klar umrissenen Erkrankung erfolgte, frag gezielt nach einem Ausschluss dieser Krankheit. Nicht alle Versicherer gehen darauf ein, aber es kann eine Lösung sein. Du verzichtest dann auf Leistungen bei deiner Vorerkrankung. Dafür bist du für alles andere versichert.
Beitragsnachforderungen treffen viele unvorbereitet
Fehlende Beiträge für Zeiten ohne Versicherung müssen gezahlt werden. Bei PKV gilt die 6-Monats-Formel, die ich bereits erklärt habe. Das kann eine erhebliche Summe sein, je nachdem, wie lange du unversichert warst.
Ein Beispiel: Du kommst als Selbstständiger nach 2 Jahren ohne Versicherung zurück. Dann werden etwa 9 Monatsbeiträge Nachzahlung fällig. Wenn dein monatlicher PKV-Beitrag 500 Euro wäre, reden wir über 4.500 Euro Nachzahlung.
Viele Menschen können das nicht auf einen Schlag zahlen. Die Lösung ist eine Ratenzahlung mit dem Versicherer zu vereinbaren. Die PKVs sind hier relativ kooperativ, solange eine gewisse Rate bedient wird. Du solltest dir einen machbaren Ratenplan geben lassen, beispielsweise über 12 Monate. Solange du dich an die Abzahlung hältst, bleibt dein Versicherungsschutz aktiv.
Im eigentlichen Sinne gibt es keine Geld-Strafe vom Staat für die Zeit ohne Versicherung.
Die Beitragspflicht an sich wirkt aber wie eine Strafe, wenn man lange draußen war. Die Ermäßigungen mit ein Sechstel ab Monat 7 sind genau dazu gedacht, die Last zu mildern. Diese Erleichterungen gelten nur, wenn du in der Zwischenzeit keine Leistungen in Anspruch genommen hast beziehungsweise auf Erstattung verzichtest.
Keine Aufnahme in GKV möglich ab 55
Ein Stolperstein insbesondere für ältere Rückkehrer: Sie möchten vielleicht lieber in die gesetzliche Kasse. Rechtlich geht das aber oft nicht mehr. Ab 55 sind die Hürden hoch.
Ein Beispiel: Du bist 50 Jahre alt, warst selbstständig ohne Versicherung. Nun fängst du als Angestellter an unterhalb der Versicherungspflichtgrenze. Theoretisch könntest du pflichtversichert werden.
Aber es gibt einen Haken: Warst du in den letzten 5 Jahren kein Mitglied der GKV, kann die Regel trotzdem greifen. Diese Regel soll verhindern, dass Leute kurz vor der Rente in die GKV wechseln, um Beiträge zu sparen. Leider trifft es auch unverschuldet Rückkehrende.
Fazit: „Der Einstieg in die PKV ohne Vorversicherung ist machbar, aber nur mit der richtigen Vorbereitung und realistischen Erwartungen“
Der Einstieg in die private Krankenversicherung ohne deutsche Vorversicherung ist möglich, aber er stellt dich vor Herausforderungen, die viele unterschätzen.
Du musst mit Wartezeiten von 3 bis 8 Monaten rechnen, eventuell Beiträge für mehrere Monate nachzahlen und eine gründliche Gesundheitsprüfung über dich ergehen lassen, die über Annahme oder Ablehnung entscheidet.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:
- Versicherungspflicht gilt ab dem Moment deiner Anmeldung in Deutschland, und deine Vorversicherung oder dein Beruf entscheidet über GKV oder PKV
- Gesundheitsprüfung ist intensiv, und die PKV kann Risikozuschläge verlangen, Leistungsausschlüsse vereinbaren oder dich ablehnen
- Nachzahlungen treffen dich hart: Für die ersten 6 Monate zahlst du volle Monatsbeiträge nach, ab Monat 7 nur noch ein Sechstel
- Wartezeiten von 3 Monaten allgemein und 8 Monaten für Entbindungen, Psychotherapie und Zahn gelten fast immer ohne Vorversicherung
- Basistarif mit etwa 808 Euro monatlich steht dir als Auffanglösung immer offen, wenn normale Tarife nicht klappen
- Alter und Gesundheit entscheiden über alles: Junge Gesunde unter 40 kommen meist problemlos rein, über 55-Jährige oft nur in den Basistarif
Der Basistarif mit etwa 808 Euro monatlich steht dir als Auffanglösung immer offen, wenn normale Tarife nicht klappen, und dein Alter, Gesundheitszustand und Beruf entscheiden über Beitragshöhe und Aufnahmechancen. Junge Gesunde unter 40 kommen meist problemlos rein mit niedrigen Beiträgen, während über 55-Jährige oft nur noch den Basistarif bekommen.
Die größten Fehler passieren durch Unwissenheit und Zeitdruck. Viele Menschen füllen den Gesundheitsfragebogen zu schnell aus und verschweigen unwissentlich wichtige Diagnosen, was Jahre später zur Kündigung führen kann. Andere unterschätzen die Nachzahlungen und geraten in finanzielle Schwierigkeiten, sobald die erste Rechnung kommt.
Nimm dir Zeit für die Vorbereitung, hole alle Gesundheitsunterlagen zusammen und stelle anonyme Anfragen bei mehreren Versicherern, bevor du dich entscheidest.
